Einen erhellenden Blick hinter die Kulisse der Börse zeigt der Kreditmarkt: Der Markt für Anleihen ist eines der interessantesten Themen. Warum? Weil im Grunde alles auf Schulden basiert. Anleihen sind Schuldscheine von Regierungen oder Unternehmen. Derzeit stehen die Märkte für Staatsanleihenmärkte in den Schlagzeilen, weil die Regierungen extrem verschuldet sind. Ein Erklärungsversuch und die Auswirkungen auf den Gold- und Silberpreis.
Dieser Artikel basiert auf einem Videointerview mit Matthew Piepenburg Mitte Oktober 2026 und wurde durch Markus Baumgartner verfasst. Michael Burger hat den Text punktuell ergänzt und illustriert.1 Dieser Artikel ist keine Anlagenberatung oder eine Verkaufsempfehlung. Siehe Disclaimer unten.
Staatsanleihen und private Anleihen (Obligationen) spiegeln Schulden wider. Man bekommt eine Rendite dafür, weil das Verleihen von Geld Zinsen bringt. Der Kreditmarkt zeigt: Wir leben über unsere Verhältnisse. Die Welt hat 365 Billionen an globalen Schulden.1
«Wir sind nicht nur peinlich verschuldet, sondern beispiellos verschuldet. Ja untragbar verschuldet»,
sagt der erfahrene Finanzmarkt-Experte Matthew Piepenburg*

Symbolbild: Wie lange geht das noch gut mit der weltweiten Schuldenwirtschaft?
Diese Schulden beeinflussen Aktien, Hypotheken und die Währungen, erläutert Matthew Piepenburg: «Es beeinträchtigt unsere nationale Sicherheit, weil die Anleihenmärkte und die Staatsanleihenmärkte so kaputt sind, dass die Regierungen verzweifelt werden. Typischerweise und historisch gesehen, werden sie auch sehr zentralistisch und verzweifelter und unehrlicher, je grösser die Anleihenkrise wird.»
Denn die Kosten für die Zinsausgaben, die Kosten für ihre Schulden steigen. Viele Länder sind so stark verschuldet, dass sie neue Wege suchen, um die Realitäten und Signale des Anleihenmarktes zu umgehen.
Teure Staatsanleihen
Beispielhaft ist der US-Anleihenmarkt, weil die 10-jährige US-Staatsanleihe Teil der Weltreserve-Währung ist. Seit 2007 ist der Markt für US-Staatsanleihen von 4,5 Billionen auf 31 Billionen Dollar angewachsen, während sich die Verschuldung im Verhältnis zum US-Bruttoinlandsprodukt verdoppelt und 100 Prozent überschritten hat.
Anfang Oktober kletterten die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen zeitweise auf mehr als 5,3 Prozent - den höchsten Stand seit 2002. Vor kurzem waren es noch fast 0 oder 0,5 Prozent. Das ist extrem schmerzhaft für Uncle Sam, für die amerikanische Regierung. So müssen sie irgendwann mehr Geld drucken und die Währung abwerten, um diese Zinslast überhaupt noch bezahlen zu können.
Auslöser des Renditeschubs war der Iran-Krieg. Das führte zu hohen Ölpreisen, Inflationssorgen und der Erwartung weiterer Zinserhöhungen der US-Notenbank Fed. Zugleich wächst der Kapitalbedarf in den USA. Die KI-Unternehmen in den USA leihen sich jetzt Geld aus, um in Datenzentren zu investieren. Mit ihren Unternehmensanleihen konkurrieren sie mit dem US-Staat um Investoren. Das kann die Renditen von Staatsanleihen zusätzlich nach oben treiben.
Es hängt alles zusammen
Das eigentliche Problem für steigende Renditen ist also sinkendes Vertrauen. Sinkendes Vertrauen kommt von zu vielen Schulden. Keine Regierung will zugeben, dass sie an ihrer eigenen Schuldenkrise schuld ist. Hier eine Übersicht über die Schulden einiger Länder gemessen am Bruttoinlandprodukt, der Wirtschaftskraft des Landes, und als absolute Zahl in US Doller:
Alle Staaten zusammen haben über 120 Billionen Schulden, das entspricht 94,5% der weltweiten Summe aller Bruttoinlandprodukten.2 Mit anderen Worten: Die ganze Welt müsste 344 Tage Geld verdienen, ohne einen einzigen Rappen auszugeben, um damit allein die gesamten weltweiten Staatschulden zu tilgen. Laut der Prognose vom Internationalen Währungsfonds übersteigen die weltweiten Schulden 2029 die Wirtschaftskraft der ganzen Welt.3
Noch dramatischer wird es, wenn man bedenkt, dass die Staatsschulden «nur gut» 30% der weltweiten Schulden ausmachen.4
Kommt es zu einer Währungskrise?
US-Finanzminister Scott Bessent hat im September Judy Shelton als Beraterin («Counselor to the Secretary») in sein Ministerium geholt. Die Ökonomin wirbt seit Jahren für Staatsanleihen, die mit Gold gedeckt sind. Es ist eine 50-jährige Anleihe. Es bedeutet, dass man am Ende der Laufzeit diese Anleihe in Gold oder Dollar einlösen kann. Dass eine goldgedeckte Anleihe ins Blickfeld kommt, ist ein deutlicher Hinweis darauf, wie sehr die Welt papiergedeckten Anleihen misstraut.
Die geldpolitische Reaktion auf diese globale Anleihen- und Schuldenkrise führt früher oder später zu einer Währungskrise. Indem die Notenbank Geld druckt oder Kredite erhöht oder die Geldmenge ausweitet, um ihre Schulden zu monetarisieren, schwächt sie die Kaufkraft der Währungen. Ein schwächerer Dollar hilft, Handelsdefizite abzubauen. Vor allem dient dies dazu, Schulden durch Inflation schleichend zu entwerten.
Was für Gold spricht
Dieser Hintergrund ist laut Matthew Piepenburg eine Erklärung, warum Gold in den kommenden Jahren um ein Vielfaches höher stehen könnte. Asien – speziell Indien und China - haben das erkannt. Deshalb hortet China Gold in historischem Ausmass. Zentralbanken halten mehr Gold als US-Staatsanleihen. Man muss kein Hedgefonds-Manager oder Anleihen-Experte sein, um das zu verstehen.
Nutzen Sie ihren gesunden Menschenverstand
Matthew Piepenburg empfiehlt: Nutzen Sie Ihren gesunden Menschenverstand. Vertrauen sie nicht darauf, dass Regierungen oder Zentralbanken ihr Geld schützen, das werden sie nicht tun. Gold wird langfristig seinen Wert besser halten. Im Moment ist Gold in einer Korrekturphase. Der Preis liegt 30 Prozent unter dem Allzeithoch. Das ist vielleicht ein günstiger Einstiegszeitpunkt.
Gold kann nicht all diese Probleme lösen, aber es kann das Problem der Kaufkraft lösen. Gold macht sie nicht reich, es bewahrt sie davor, ärmer zu werden.

Edelmetalle als Schutz vor systemischen Risiken?
Gold und Silber werden laut Piepenburg schrittweise und vielleicht dann exponentiell steigen, wenn Fiat-Geld (Papiergeld) entsprechend fallen wird. Im Moment ist der Silberpreis unter Druck, weil steigende Zinsen dagegen sprechen. Darauf ist der Silberpreis empfindlich. Aber die Zinsen werden wieder sinken, sobald sich die Inflation abschwächt.
Wenn man geduldig ist und die Geschichte versteht und dem Papiergeld misstraut, hält man laut Piepenburg jetzt Gold und Silber mit einer langfristigen Perspektive. Gold wird einen sofort schützen und es wird in den kommenden Jahren gegenüber dem Papiergeld sicher an Wert gewinnen.
«Ich habe noch nie eine bessere Gelegenheit gesehen, Silber oder Gold zu kaufen als jetzt. Selbst bei diesen Preisen, die höher sind als vor drei Jahren. Ich betrachte diese Preisbewegung in diesem Jahr als Kaufgelegenheit und ich bin da nicht allein. Aber man muss die langfristige Überzeugung haben.»
Matthew Piepenburg*

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Fazit von Piepenburg
Wer die Anleihen und Schuldenkrise versteht, in der wir stecken, für den ist Gold und Silber eine interessante Alternative.
*About
Matthew Piepenburg ist ausgebildeter Wirtschaftsjurist. Während der Internetblase 1999-2001 gründete er seinen ersten Hedgefonds und später einen alternativen Investmentfonds. Zeitgleich agierte er als Berater, CIO und später Geschäftsführer einer Single- und Multi-Family-Office. Er lebt seit vielen Jahren in Europa.
Quellen
1) https://m.youtube.com/watch?v=5w0fqNna-xU&pp=ugUHEgVkZS1ERdIHCQkwDAGHKiGM7w%3D%3D&ra=m
2) https://ledger.m8k.io/money-worldwide-debt-gdp.html
3) https://unctad.org/publication/world-of-debt
4) https://swz.it/die-welt-im-schuldentaumel/
5) Ländergrafik und Autovergleich mit der Hilfe von ChatGPT erstellt
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